Ulrike Feibig: perlicke perlacke, mein Herz schlägt

 Reihe Neue Lyrik – Band 11   Kulturstiftung des Freistaates Sachsen

Herausgegeben von Jayne-Ann Igel, Jan Kuhlbrodt

96 S., Hardcover, ISBN 978-3-940691-76-7 | poetenladen Verlag,  2016 

Gedichte

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Gedichte, Collagen, Wortzaubereien – all das trifft auf die Texte Ulrike Feibigs zu. Neben der Collagen erweist sich das Spiel mit Lauten und Metren, mit Reimen und Refrainhaftem als substantiell für ihre Arbeiten. Schon der Titel beschwört – im zauberwörtlichen Sinne – jenen Bereich herauf, in dem Worte nicht nur Bilder evozieren, sondern ganze Welten, faustische zumal, real werden lassen.

 

»Wir collagieren, und mit Wir seien hier alle gemeint, jeder Mensch und wahrscheinlich auch jedes zumindest höhere Tier. Aus unseren Eindrücken bauen wir etwas zusammen, das wir die Welt nennen, und das wir dann wieder zerlegen, analysieren können.« Aus dem Nachwort zu Ulrike Feibigs Band.

Ulrike Feibigs perlicke, perlacke, mein Herz schlägt ist ein vitales Gedankenbuch. Die Essayistin Hannelore Schlaffer brachte diese, nicht leicht zu klassifizierende, Textsorte unlängst gegen den Roman in Stellung: „Anders als die eingängigeren Leseangebote, anders also als Roman, Sachbuch, Biografie, Facebook setzen die Passagen des Gedankenbuchs einen Leser voraus, der sein tägliches Pensum an Kontemplation auf sich nimmt.“ (Merkur, Nr. 801, 69f.)

 

Die Schriftstellerin Ulrike Feibig gebietet offenbar, und das bereits in ihrem Debüt, über ein so feines poetisches Sensorium, um (den lyristischen Anteil in engsten Grenzen haltend) unseren Blick, der dadurch ein visualisierender wird, auf die Kaputtheit der Meldungen, Phrasen, Faustregeln zu lenken und auf ihren bezirzenden Umgang damit; der übrigens auch der Umgang mit der nietzscheanischen Frage aus der Fröhlichen Wissenschaft ist, was der Leim („denn zum Leime/ Find’ ich selber mir schon Holz!“) des Dichters sei. Dieses Buch gibt darauf eine doppelte Antwort, eine deiktische (vielleicht: „Ecce Uhu!“), die man als flapsig abtun könnte und eine bittere Antwort, eine wie in der Miniatur „Neon“. Aus beiden Antworten entsteht der unverlierbare Humor dieses meisterlichen Debüts. Signaturen

 

Ulrike Feibig, 1984 in Magdeburg geboren, studierte Kunstvermittlung an der Universität Leipzig und Literarisches Schreiben am Deutschen Literaturinstitut.


Anne Seidel: Chlebnikov weint

Reihe Neue Lyrik – Band 9  Kulturstiftung des Freistaates Sachsen

Hrsg. von Jayne-Ann Igel, Jan Kuhlbrodt |  ISBN 978-3-940691-67-5

poetenladen Herbst 2015 | Gebundene Ausgabe 72 S. | 

Gedichte

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Mit dem Titel bereits signalisiert Anne Seidels Debütband Nähe zu einem der wirkungsmächtigsten russischen Dichter und zum russischen Futurismus. Die Deterritorialisierung der Worte, eine Art Aneignung des Futurismus, führt nicht nur zu einer neuen klanglichen zarten Klarheit und einem rätselhaften Sinn, sondern verlangt auch danach, dass in diesen Texten immer mit äußerster Genauigkeit gedacht wird. Die Sichtbarkeit dieses Denkens durchzieht diese Gedichte und macht ihre Untrennbarkeit genauso aus wie das Russische, auf das immer wieder Bezug genommen wird.

„In einem gewissen Sinne wirken Anne Seidels Gedichte kryptisch. In ihrem assoziativen Verfahren gleichen Worte Schlaglichtern, die punktuell eine Szenerie erhellen oder aufscheinen lassen, osteuropäisch anmutende Kultur- und Stadtlandschaften etwa, wie es z.B. in dem bei aller Reduktion wunderbar atmosphärischen Gedicht Sankt Petersburg zu beobachten ist.“ Jayne-Ann Igel

 

Anne Seidel, 1988 in Dresden geboren, studiert Slavistik und Osteuropäische Geschichte an der Universität Gießen. Seit 2011 hat sie verschiedene surreale und minimale Projekte in Dresden initiiert: Sound-Art-Installationen wie SOUND MEMORIES (Cynetart 2011) und SOLANGE, Lesungen mit Live-Field Recordings mit Stefan Senf, Jazz-Musikern wie Steffen Roth und Günther Heinz.

 

HYGIENE DER ANGST II

 

hier: schoenheit ist am ernsthaftesten: grundlos.

weißgefliest-aengstlich schweben kristalle ins meer hinaus,

umspuelen reglose glaswaende die flocken

 

hier: schoenheit ist am ernsthaftesten: grundlos,

die weiße angst zu verhaengen, schneiend-schwarz

erzittert und zerfaellt die erwartung der tiere

 

Aus: Chlebnikov weint (2015)

 

„Anne Seidel schreibt in Chlebnikov weint die Tradition der russischen Moderne fort. Eisenbahnfahrten durch Sibirien, eine Menge Schnee voller Spuren, die sich wieder auf lösen, aber auch die Sowjethistorie samt ihrer Deportationen und Straf lager bildet die motivische Struktur. Mit einem atmosphärischen, oft klassisch anmutenden Vokabular entsteht in diesen Gedichten ein Bewusstseinsraum, der die logische Struktur der Sprache außer Kraft setzt und stattdessen Brüche, Verkantungen, Öffnungen erzeugt – immer auf der Suche nach einer grundlegenden Stille, von der sich die Wahrnehmungen flüchtig abheben. ›denn nichts / zu verstehen, ist die einzige moeglichkeit, etwas zu verstehen‹, heißt es im Eröffnungsgedicht dieses intensiven, hochenergetischen Debütbandes, nach dessen Lektüre man wesentlich besser versteht, was Verstehen sein könnte.“

Lyrikempfehlung der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung


Kito Lorenc: Windei in der Wasserhose des Eisheiligen

Gedichte und Schmungks

104 S.,  | poetenladen 2015 | ISBN 978-3-940691-66-8

Reihe Neue Lyrik – Band 8   KdFS
Herausgegeben von Jayne-Ann Igel, Jan Kuhlbrodt 

Gedichte

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In der Reihe Neue Lyrk ist ein Band mit neuen Gedichten des sorbisch-deutschen Dichters Kito Lorenc erschienen. Texte, die hin und wieder auf den Reim zurückgreifen, die das Liedhafte nicht verbergen und an den Sprachgrenzen arbeiten, nicht nur denen zwischen Sorbisch und Deutsch, sondern auch da, wo der Sinn ins Absurde kippt. Durchsetzt ist der Band mit Schmungks, aphoristischen Gebilden aus teils vorgefundenem Wortmaterial, widerborstigen Sentenzen.

»Kito Lorenc erzählt die sorbische Geschichte in seinen Gedichten, wo das spezielle Geschichtswissen übergegangen ist in etwas Universelles, die Ahnung.« Peter Handke

 

Stimmen zum Buch

 

Von skurril bis melancholisch spannt sich die Weite über neunzig Gedichtseiten, bis der Dichter mit zwinkerndem Ernst und grauem Star seine »Meise« begrüßt, die an die »Scheibe« pickt: »wo warst du so lange/ dass du jetzt erst dich zeigst/ Oder war ich selber/ dauernd weg vom Fenster?« Wer tatsächlich gedacht hat, Kito Lorenc sei längst »weg vom Fenster«, sieht sich auf das Herrlichste getäuscht. | Sächsische Zeitung

 

Kito Lorenc, der Alt-Meister der sorbisch-deutschen Dichtung, zeigt sich beim Blick auf die großen und kleinen Fälle des Lebens als Schelm, mehr aber noch als wunderbarer Dialektiker. Er weiß, was zusammengeht und was sich ausschließt. Daraus entsteht bei Kito Lorenc eine eigene Welt-Betrachtung, die ihn als einen bedeutenden Lyriker mit Eigensinn und Eigensprache ausweist. Ein geglückter Band! | MDR

 

Unvergleichlich klar, unglaublich gedankenreich, ungeheuer dicht. Hier ist ein Buch voller einfacher Wörter und von neu geschöpften, was beweist, die kompliziertesten Dinge sind einfach zu sagen, Geschichtsbefußtsein, Dudengebrabbel, Sündenvorrat, zaubersam, zwieselig und Neulust. Die Leute von Duden bekommen Arbeit. Für Deutsche heißt Kito Lorenc zu lesen, einen Schatz zu finden. Mit seiner Elternsprache Deutsch ging er auf die Reise ins Sorbische. Vierundneunzig Seiten, denen man vertrauen kann. | Sorbische Zeitung | Serbske Nowiny

 

Kito Lorenc, geboren 1938 in Schleife bei Weißwasser, studierte nach dem Besuch der Cottbuser sorbischen Internatsoberschule Slawistik in Leipzig. Er arbeitete als Literaturwissenschaftler und Dramaturg in Bautzen und lebt, seit 1979 freiberuflicher Autor, in Wuischke bei Hochkirch.

 

Neben einer Reihe sorbischer und deutscher Gedichtbände (zuletzt Gedichte, hrsg. von Peter Handke, Suhrkamp 2013) verfasste er Theaterstücke sowie Kurzprosa und gab mehrere grundlegende Anthologien heraus (u.a. Sorbisches Lesebuch, Reclam Leipzig 1981). Träger zahlreicher literarischer Auszeichnungen (zuletzt Petrarca-Preis, Christian-Wagner-Preis), Ehrendoktor der TU Dresden.

 

Horoskop

 

Dreh ab jetzt und schwimme

zurück zu dem einsamen Strand

deiner Geburt, begrabe

alle Hoffnung gründlich

wie die Schildkröte ihr Geleg

ehe du für immer abtauchst

zu den Fischen des Sternzeichens

das dir voranleuchtet

Mag sein, der Sand schenkt

auch dir eine Brut noch

aus dem Verborgenen einst

und sie findet zum Licht

und in das Meer nach dir

 

Aus: Kito Lorenc: Windei in der Wasserhose des Eisheiligen


Roland Erb: Trotz aller feindlichen Nachricht

Reihe Neue Lyrik – Band 7 – Kulturstiftung des Freistaates Sachsen

Hrsg. von Jayne-Ann Igel, Jan Kuhlbrodt 

poetenladen Herbster 2014

Gebundene Ausgabe 128 S. | ISBN 978-3-940691-60-6

Gedichte

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Roland Erb, 1943 in Thüringen geboren, lebt als Autor, Lektor und Übersetzer in Leipzig. Nach seinem erster Gedichtband Die Stille des Taifuns (Aufbau Verlag 1981) erhielt er ein mehrjähriges Publikationsverbot. 1995 veröffentlichte er den Gedichtband Märzenschaf, des Weiteren sind von ihm Erzählungen, Essays und zahlreiche Übersetzungen erschienen.

In der Reihe Neue Lyrik meldet er sich mit neuen Texten zurück. In seinen Gedichten verfängt sich Geschichte, lagert sich ab. Und in den Ablagerungen erst wird sie sichtbar, verliert sie das Flüchtige und erhält erneut und verstärkt Gegenwart.

 

Stimmen zum Buch

 

Nach langer Zeit ist nun endlich ­ unter dem äußerst passenden Titel „Trotz aller feindlichen Nachricht“ ­ ein neuer Band mit Gedichten Roland Erbs erschienen. …

Der Sprecher dieser Gedichte ist einer, der sehr genau hinschaut auf die Schichten der Geschichte und aufmerksam macht auf die Nahtstellen zwischen den großen und den kleinen Verwerfungen und Erschütterungen darin. Er tut das in einem sehr leisen, schlichten, bisweilen beiläufigem Ton.

Signaturen | Uwe Hansen

 

Die Gedichte von Roland Erb leben von ungewöhnlich einfachen aber starken Bildern, die sich einprägen.

Heinz Weißflog, in Ostragehege, 2015 (Nr.75)

 

Roland Erbs Melancholie besitzt nichts Romantisches, nichts Süßlich-Träumerisches. Ihr eignet eher etwas Widerständiges, fast Störrisches.

Jürgen Israel, in Signum, Winter 2016

 

Prometheus steinalt

 

Er erwachte, es war kalt

und verdrießlich,

ungeschaffen die Stadt wie am

frühesten Tag,

über der endlosen Fläche

Land und Meer

nichts als kreischende Möwen,

abstoßende wächserne Halme

und Blätter.

Keiner,

der ihn geheißen hätte,

was zu beginnen und

wie.

Taumelnd schritt er,

die Augen reibend,

übers stumpfe Gelände hin.

 

Aus: Trotz aller feindlichen Nachricht


Uwe Hübner: Jäger. Gejagte

Reihe Neue Lyrik – Band 6    Kulturstiftung des Freistaates Sachsen

Herausgegeben von Jayne-Ann Igel, Jan Kuhlbrodt 

Gebundene Ausgabe | 104 Seiten 

ISBN 978-3-940691-49-1 | poetenladen 2013

Gedichte

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Wir haben es bei Uwe Hübner Gedichten mit einer nuan­cierten Groß­stadt­poesie zu tun, gewürzt mit Sarkasmus, galligem Humor – die Gedichte spiegeln den Alltag auf der Straße wider, reflek­tieren und kommen­tieren das Geschehen, das „lyrische Ich“ erscheint dabei als Zeitgenosse, der sich selbst­ironisch in diese Betrach­tungen einbezieht.

Man könnte Uwe Hübner wie kaum einen anderen der zeit­genös­sischen Dichter als Chronist der Brüche in der Nachwende­zeit bezeichnen, der Um- und Neubewertungen, -deutungen, Anpassungs­leis­tungen, Ab­schleifungs­pro­zesse und der Sinn­entleerung.

Uwe Hübner, geboren 1951 in Gelenau/Erzgebirge, lebt in Dresden. Er war unter anderem als Bibliothekshelfer, Buchhändler, Galerist und Maschinist tätig. 1993 kam im Galrev Verlag der Band Pinscher und Promenade heraus. Der Gedichtband Löchrige Deckschicht erschien 2003 als Künstlerbuch mit Holzschnitten von Volker Mehner.. Im Herbst 2013 ist sein Gedichtband Jäger. Gejagte im poetenladen Verlag erschienen.

 

Stimmen

 

Dem Band Jäger. Gejagte des Dresdner Dichters Uwe Hübner, meine ich, ist in der deutschsprachigen Literatur der letzten Jahre nichts Vergleichbares entgegenzusetzen – weder an erzählerisch verdichteter Qualität noch an Radikalität der Faltung von Zeiten und Räumen.

Freitag | Sascha Anderson

 

Uwe Hübner … ist richtig gut, scharf, wild, frech, pointensicher, szenenkundig, bennbelesen und im eigenen Ausdruck schon wieder paar Protuberanzen darüber hinaus, so ein neuer naturwüchsiger (heißt gesellschaftsrelevanter) Zynismus: gefällt mir sehr und sieht mich in seinen düsteren Lichtblicken gar nicht so unverwandt an.

Peter Rühmkorf

 

Diese Gedichte vermeiden große Gefühle. Wo ein Landschaftsbild nach Romantik aussieht, wittert dieser Dichter Verschwörung.

Dresdner Neueste Nachrichten | Tomas Gärtner

Uwe Hübner pflegt einen lapidaren Tonfall. Was er zu sagen hat, sagt er wie nebenbei. Seine Gedichte kommen ganz und gar ohne überhöhte Lyrismen und Metaphern aus, sind aber trotzdem metaphorisch.

SAX | Stadtmagazin

 

 

JA. DOCH VIELLEICHT sollte man gehen. Jetzt.

Den Hut nehmen, ab.

Einige Jahre allein zur Regeneration

von sich selbst, ohne Spiegel.

Bis die Wogen geglättet, wenigstens du selbst wieder

glaubst, ein cooler Typ zu sein. Was du auch bist

für die nächsten Stunden ohne Begegnung.

Ja. Du solltest gehn. Abhaun. Leine ziehn.

Falls dir gar nichts einfällt, schwimm rüber

nach Neuengland: dort warten sie

auf solche wie dich

 

Aus: Jäger. Gejagte


Peggy Neidel: weiß

Reihe Neue Lyrik – Band 5  – Kulturstiftung des Freistaates Sachsen

Herausgegeben von Jayne-Ann Igel, 

Jan Kuhlbrodt  poetenladen, Leipzig 2013 |

Gebundene Ausgabe 72 Seiten | ISBN 978-3-940691-46-0

Gedichte

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»Es herrscht eine merkwürdige Gereiztheit. Menschen bewegen sich durch postapokalyptische Landschaften, seltsam unsicher, stets auf der Suche. Vielleicht nach sich selbst und einer Idee, wie es sein könnte. Und offensichtlich mit einem Mangel, als fehlte ihnen die Rückbindung an etwas, „woran man sich halten kann“. Peggy Neidel interpretiert dieses Nichts, das auch Brecht vor circa neunzig Jahren in seinem Lesebuch für Städtebewohner prognostizierte, auf gegenwärtige Art. Das Nichts wird zu weiß. Die Farbe, die zugleich alle Farben in sich vereint.« Jan Kuhlbrodt

 

Peggy Neidel, geboren in Zwickau, studierte Germanistik und Neuere Geschichte in Düsseldorf. Sie ist Mitbegründerin des Literaturclub Düsseldorf und arbeitet als freie Journalistin und Kritikerin unter anderem für den Freitag und die taz. Zuletzt erhielt sie das Arbeitsstipendium des Landes Nordrhein-Westfalen und veröffentlichte Lyrik in Zeitungen und Literaturmagazinen. 2013 erschien im poetenladen Verlag ihr Debüt weiß in der Reihe Neue Lyrik.

 

Stimmen zum Buch

 

Die in Zwickau geborene Berlinerin, die in Düsseldorf Germanistik und Geschichte studierte, arbeitet mit knappen, prägnanten Sprachbildern und szenischen Einfällen, die von Rhythmus und Klang vorangetrieben werden.

Natur erscheint hier als Kulisse, Liebe als Funktion. Alles ist mess- und kontrollierbar geworden, wissen diese Verse: die Angst, der Schmerz, die Liebe und der Tod. Tagesspiegel | Dorothea von Törne

* * *

Es ist ein extrem homogener Gedichtband auf hohem Niveau, der einem sehr eigenen Ton folgt und bereits einen Sound hat, den viele erst mit ihrem soundsovielten Buch erreichen.

Ein eindrucksvoller Duktus liegt auf den Wörtern, vielschichtig, mit ausgeprägtem Gefühl für die Tiefen. Wer sich darauf einlässt, ist schnell weg; innen, oft draußen an der frischen Luft. Und muss hartgesotten sein, denn wenn ich den Punkt nennen sollte, der mich an diesen Gedichten am meisten beeindruckt, dann wäre es wohl folgender: Sie offerieren eine unerwartete Brutalität! Lyrikwelt | Stefan Heuer

* * *

 

Und spätestens, nachdem ich das Buch als erfahrener Bücherflaneur hinten beim Inhaltsverzeichnis aufgeschlagen hätte, wäre mir der Kauf ein unvermeidliches Bedürfnis geworden: Schon die Überschriften der drei Abteilungen, in die die Gedichte gegliedert werden („es riecht nach Schwanken“, „ein formelastisch neuer aufprallschutz“, „contemporary soundso“), wecken erfreute Neugier …

Peggy Neidel bricht diese Schichten auf, und ihren Gedichten gelingt, was nur der Lyrik gelingen kann: das Sichtbarmachen der Metamorphosen unter der Oberfläche und dessen „was nicht in einen Rucksack passt“. Es lohnt sich, sie zu lesen. Signaturen | Dirk Uwe Hansen

 

du schneidest passepartouts, damit ein bild deine wand ziert

deine vorstellung einer gemütlichen erkenntnis in deiner behausung

versperrt kein ausgang den weg zu einem inneren rätsel

und kein rätsel versperrt den weg zum bestmöglich gezimmerten du

deine schnelligkeit

wenn es darum geht dich einzurichten in einer welt

in der handwerkliches geschick gefragt ist

das schafft dich

dein lächeln wird blau

du klingelst

sei doch

sei doch ein fehler

 

Aus: weiß


Kerstin Hensel: Das gefallene Fest

Gedichte und Denkzettel

Reihe Neue Lyrik – Band 4  Kulturstiftung des Freistaates Sachsen

Herausgegeben von Jayne-Ann Igel, Jan Kuhlbrodt 

Hardcover, 96 Seiten | poetenladen 2013 | ISBN 978-3-940691-41-5

Gedichte

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»Denn der Mensch ist das sprechende Tier, das, wenn es verstummt, auch verschwindet. Und weil Kerstin Hensel das weiß, hat sie ihrer Sprache Form gegeben. Und es scheint fast so, als würde ihr das mühelos gelingen, als wäre der Vers, dieses Künstlichste, das die Sprache kennt, ihr eine natürliche Weise des Artikulierens. Eingeboren. erstin Hensels Gedichte funktionieren genau, und nicht wie der Globus. Kein Licht, das das Ganze von innen erleuchtet, dem würde sie mißtrauen, glaube ich, sondern ein Schlaglicht fällt auf die Einzelheit, und dabei ist das Martialische das im Wort Schlaglicht mitscheint durchaus ernst zu nehmen.«

Aus dem Nachwort

 

Kerstin Hensel, 1961 in Chemnitz geboren, studierte nach ihrer Ausbildung zur Krankenschwester am Deutschen Literaturinstitut Leipzig und ist heute Professorin für Deutsche Verssprache und Diktion an der Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch Berlin.

Kerstin Hensel verfasste mehrere Gedichtbände sowie Romane und Erzählungen. Neben dem Leonce- und Lena-Preis erhielt sie unter anderem den Gerrit-Engelke-Preis und den Ida-Dehmel-Literaturpreis.

 

Erste Hoffnung

 

Die Hoffnung fährt schwarz

In der Stadtbahn im Überlandbus

Liegt sie auf der hintersten Bank

Hat alles bei sich was zum Leben

Sie braucht: ein Büßerhemd einen Stock auch Kreuze aller Couleur

Schwarz fährt die Hoffnung und weiß nicht

Wo steigt sie aus

Im Nachtdepot im Abgebrumm der Motoren

Blinzelt sie unkontrolliert und mit störrischen Fingern

Zeichnet sie in die Luft

Pläne, ermißt ihre Chance zu zahlen

Endlich morgen vielleicht

 

Aus: Das gefallene Fest


Thilo Krause: Und das ist alles genug

Reihe Neue Lyrik – Band 3   Kulturstiftung des Freistaates Sachsen

Herausgegeben von Jayne-Ann Igel, Jan Kuhlbrodt 

Hardcover | 88 Seiten 

ISBN 978-3-940691-39-2 | poetenladen 2012

Gedichte

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„Still, unaufgeregt sind die Gedichte von Thilo Krause dem Alltag auf der Spur. Kindheitswildnis, Randgebiete, verkrautete Winkel. Texte, die sich ohne viel Gepäck auf den Weg machen, die ihre Protagonisten zugleich bewahren und aufs Neue erschaffen. Geschichten in Verlangsamung, genauso schnörkellos wie überraschend. Thilo Krause genügt es, sich an die alltäglichen Dinge zu halten, sie heraufzuholen und leuchten zu lassen.“

Raoul Schrott

 

Thilo Krause wurde 1977 in Dresden geboren, wo er nach dem Abitur als Pfleger für Kör­per­behin­der­te arbei­tete. Anschlie­ßend studier­te er Wirt­schafts­ingenieur­wesen, pro­mo­vierte in Zürich und arbeitet heute als Forscher an der Eid­genös­si­schen Tech­nischen Hoch­schule. 

Nach seinem Debüt Und das ist alles genug (poe­ten­laden 2012) erschien 2015 sein zweiter Gedicht­band Um die Dinge ganz zu lassen.

Thilo Krause wurde u.a. mit dem Irseer Pegasus und in den Jahren 2009 und 2013 mit einem Werk­jahr des Kantons Zürich aus­ge­zeichnet. 2011 war er Fina­list beim Leonce-und-Lena-Preis und erhielt 2012 den Schwei­zer Lite­ratur­preis (Lyrik). Für seinen Band Um die Dinge ganz zu las­sen wurde er mit der An­erken­nungs­gabe der Stadt Zürich sowie dem Clemens Bren­tano Preis ausgezeichnet.


Michael Fiedler: Geometrie und Fertigteile

Gedichte | Band 2 | KdFS 

 

poetenladen 2011/2012

Harvcover , 64 Seiten, ISBN 978-3-940691-31-6

Herausgegeben von Jayne-Ann Igel, Jan Kuhlbrodt 

 

Gedichte

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„Bearbeitet, können Wörter ein Bonbon sein: ein wohlwollend schmeckendes Täuschungs­manöver.“

Michael Fiedler, Absolvent des Deutschen Literaturinstituts, zeigt in seinem Debüt ein­druckvoll, wie sich mit „vorgefundenem Wort­material“ dichten lässt. Seine Methode ist der Cut. Michael Fiedler recycelt. Es ent­stehen aber keine recycelten Formen. Das Ent­ste­hende dabei ist originär.

 

Dieser Debütband zeigt eindrucksvoll, dass ein poetischer Neubeginn im 21. Jahrhundert sich nur auf eine strenge sprachkritische Wörter-Archäologie gründen kann. In der substantivzentrierten Dichtung Michael Fiedlers kommt endlich zusammen, was zusammengehört: Sprachgeschichte und Gesellschaftsgeschichte. Im dritten Teil seines Debütbands nehmen die topographischen und geographischen Markierungen zu. Stets bildet dabei eine genuine Spracharbeit das Zentrum dieser Poetik.

Michael Braun | Sprache im technischen Zeitalter


Anne Dorn: Wetterleuchten

Gedichte | Reihe Neue Lyrik  | Band 1 | poetenladen 2011

Hardcover | 80 Seiten |  ISBN 978-3-940691-30-9

KDFS | Herausgegeben von Jayne-Ann Igel, Jan Kuhlbrodt 

Gedichte

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Partitur des Erinnerns

 

In ihren dichterischen Texten spiegelt sich Anne Dorns Generalthema der Trennungen, Verluste und des Sich-Wiederfindens, Bewahrens, das ohne den zeitgeschichtlichen Hintergrund eigener Lebenserfahrungen kaum denkbar ist, in sublimerer Weise als in ihrer Prosa wider. Eine Thematik, die auch vom frühen Wechsel von Ost- nach Westdeutschland zu Kriegsende geprägt ist, von der wiederholten und regelmäßigen Rückkehr in eine vertraute Fremde, die die Kindheitsorte bei und in Dresden in ihren Augen später darstellen mochten, in der Zeit der Teilung. In den Gedichten schwingen die Erfahrungshintergründe, die den Stoff der Prosaarbeiten bilden, leise mit, teilen sich mit, vielfach gebrochen, als schaute man durch ein Prisma auf diese Landschaften, die Landschaften der Kindheit wie die ihrer Reisen und jener Orte, die sie sich neu ge- und erfunden hat.

Anne Dorn wurde 1925 in Wachau bei Dresden geboren und starb am 8. Februar 2017 in Köln, wo sie lange Jahre als Schrift­stel­lerin lebte. Sie verfasste mehrere Romane, Hörspiele und verwirk­lichte sechs Autoren­filme für das Fern­sehen.

Ihre Gedichte erschienen regelmäßig im Jahrbuch der Lyrik. Nach ihrem Band Wetterleuchten, der in der Reihe Neue Lyrik (Kulturstiftung des Freistaates Sachsen, poetenladen Verlag 2011) erschien, ist Jakobsleiter ihr zweiter und letzter Gedichtband.

 

Stimmen zum Buch

 

Es sind feingewebte epische Gedichte, Sammelstücke eines ganzen Lebens, die Geschichten erzählen von „südlichen Februartagen“, „Sterbenswollust“ und dem „Weg ins Dorf“. Außergewöhnliche, eindrucksvolle Lyrik, die durch eine klare, einfache Sprache besticht … WDR | Matthias Ehlers

 

Diese unspektakulär eindringlichen Gedichte Anne Dorns springen und knistern wie ein elektrischer Funken zwischen den Polen Vergangenheit und Gegenwart und leuchten dabei mit einem eigentümlich phosphoreszierenden Licht. Ähnlich wie die Werke der großen Dichter William Wordsworth und Michael Hamburger zeichnen sich auch die Gedichte Anne Dorns durch einen ihnen innewohnenden Respekt vor den Erscheinungen, den hell wetterleuchtenden Dingen wie jenen im Dunkel verbleibenden, und durch ein Wissen von größeren und Alles mit Allem unsichtbar verwebenden Zusammenhängen aus … die horen | Cornelia Jentzsch

 

Sechsundachtzig Jahre alt hat Anne Dorn werden müssen, um ihren ersten Gedichtband zu veröffentlichen – und damit das vielleicht dienstälteste Debut der deutschen Lyrik vorzulegen. … Der Band [ist] von ungewöhnlicher Geschlossenheit, die ihn zu einem Ereignis macht. Fixpoetry | Jürgen Brôcan

 

 

Anne Dorns Texte kommen von der Prosa her, diktiert von einem unverfälschten Erzählrhythrnus, der mich berührt hat. In den Gedichten schwingt ein Lebensraum mit, die Erfahrung um den Wert der Schönheit des Details an den Dingen.  Ostragehege | Thomas Ernest (September 2012)

 

Die Worte ihrer Verse klingen, als kämen sie direkt aus der Mitte der Erfahrungen. Dresdner Neueste Nachrichten | Tomas Gärtner (Juli 2012)

 

Das lyrische Ich ist immer dicht an der Welt, fasst nach ihr, betrachtet sie, sammelt und gibt. Sächsische Zeitung | Undine Materni (Juli 2012)

 

 

Gedichte, die uns absolut etwas zu sagen haben. Büchermarkt Deutschlandfunk | Hajo Steinert